Was ist Rehabilitationspädagogik überhaupt?
Rehabilitationspädagogik beschäftigt sich damit, wie Menschen mit Behinderung und/oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Schule, Ausbildung, Beruf und Alltag gut unterstützt werden können. Ziel ist es, Teilhabe in unterschiedlichen Lebensbereichen (z.B. Arbeitsleben oder Freizeit) zu ermöglichen.
Rehabilitationspädagog*innen begleiten Menschen mit Behinderung und/oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen in ihrem Alltag, fördern ihre individuellen Fähigkeiten und helfen dabei, passende Lebens- und Lernumgebungen zu gestalten. Dazu gehört es auch, Barrieren abzubauen und sich für Themen wie Vielfalt, Inklusion und Mitbestimmung einzusetzen.
In welchen Berufsfeldern können Rehabilitationspädagog*innen arbeiten?
Du interessierst dich für ein Studium der Rehabilitationspädagogik, bist dir aber noch unsicher, welche beruflichen Möglichkeiten dich nach dem Studium erwarten?
Auf den folgenden Seiten lernst du mehr über die spannenden Berufsfelder, die dir nach deinem Abschluss offenstehen. Außerdem kannst du dir einen Überblick über die verschiedenen Bereiche verschaffen, in denen du Menschen mit besonderen Bedürfnissen begleiten und fördern kannst und sehen, welche Perspektiven dir ein Studium in diesem Fach bietet.
In welchen Bereichen arbeiten Rehabilitationspädagog*innen?

Arbeit

Bildung

Beratung

Freizeit

Therapie

Wohnen

Kinder- und Jugendhilfe

Projektgestaltung
Was zeichnet den Studiengang Rehabilitationspädagogik aus?

Aus dem Studium in die Praxis - zwei Absolventinnen erzählen
Wer seid ihr und was macht ihr aktuell beruflich?
Transkript 1: Wer seid ihr und was macht ihr aktuell beruflich?
Michélle Möhring:
Ja, herzlich Willkommen zu unserem Podcast rund um Wege und Berufsperspektiven in der Rehapädagogik. Hier sprechen wir mit ehemaligen Studierenden darüber, wo sie heute arbeiten, wie sie dort hingekommen sind und was euch im Studium wirklich weiterbringt. In dieser ersten Folge schauen wir uns ein Berufsfeld an, das oft etwas abstrakt klingt, aber unglaublich vielfältig ist, nämlich das Projektmanagement. Ich freue mich sehr, heute zwei Gäste begrüßen zu dürfen. Cosima Nellen vom Referat für Teilhabe und Inklusion des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Recklinghausen und Julia Wohlgefahrt vom Modellprojekt BRAVO bei der Stiftung Bethel im Stiftungsbereich Bethel.regional. Schön, dass ihr beide da seid. Und bevor wir jetzt gleich tiefer einsteigen, stellt euch beide doch bitte einmal ganz, ganz kurz vor. Wer seid ihr? Was macht ihr aktuell beruflich? Genau. Cosima, magst du starten?
Cosima Nellen:
Ja, kann ich gerne machen. Hallo, ich bin Cosima. Ich bin 31 Jahre alt und ich habe, ich glaube, 2013 angefangen mit dem Bachelor Rehapädagogik und habe anschließend den Master in Rehawissenschaften hier an der TU Dortmund gemacht und habe parallel als wissenschaftliche Hilfskraft und nachher als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet und bin dann in die Praxis übergewechselt und arbeite jetzt seit, ich glaube, 2022 im Referat Teilhabe und Inklusion im Diakonischen Werk im Kirchenkreis Recklinghausen.
Michélle Möhring:
Super, danke. Julia, wie ist es bei dir?
Julia Wohlgefahrt:
Bei mir war es so, dass ich eigentlich erst mit Lehramt angefangen habe und ich habe mich tatsächlich in der Fakultät verlaufen und habe dann gesehen, welche Studieninhalte die Rehapäds so machen und habe dann nochmal umgeschwenkt. Ich bin 38 Jahre alt und bin Heilerziehungspflegerin und rechtliche Betreuerin und habe studiert von 2019 bis 2022. Bei mir muss man aber noch dazu sagen, dass das auch so richtig in diesen fetten Corona-Jahren war. Das heißt also, mein letztes Studienjahr mit dem Projektstudium, das haben wir fast zu Hause absolviert und da gab es einfach nochmal andere Restriktionen als wir sie heute vielleicht noch so in Erinnerung haben. Wie bin ich zu meinem Studium oder zu meinem jetzigen Arbeiten gekommen? Ich habe während des Studiums schon im Pixellabor in Bielefeld gearbeitet und habe da quasi Stück für Stück die jetzigen Tätigkeiten, die ich ausübe, schon kennengelernt und bin da reingewachsen. Aber ich habe eben im Vorhinein ganz viele Tätigkeitsfelder der Eingliederungshilfe schon kennengelernt in der Praxis und habe das quasi jetzt immer noch beim Arbeiten im Kopf.
Michélle Möhring:
(lacht) Super, vielen Dank.
Wie seid ihr zur Rehabilitationspädagogik gekommen?
Transkript 2: Wie seid ihr zur Rehabilitationspädagogik gekommen?
Michélle Möhring:
Ja, wir starten mit unserem ersten Block, wo es so ein bisschen darum gehen soll, wie war denn euer Weg ins Studium, euer Weg in den Beruf? Teilweise habt ihr es gerade schon so ein bisschen angedeutet, aber Julia, ich starte mal mit dir nochmal ein bisschen konkreter, wie bist du eigentlich zur Rehapädagogik gekommen und hattest du damals eigentlich schon die Idee, in welche Richtung es später gehen könnte? Warst du da ganz offen? Erzähl mal.
Julia Wohlgefahrt:
Das ist eine spannende Frage. Also erstens, zu Rehapäd hat mich tatsächlich meine wahnsinnig schlechte Orientierung gebracht. Ich habe mich, wie gesagt, verlaufen. Ich habe damals das Hilfsmittellabor gesehen, was noch in der vierten Etage war und ich habe mich schockverliebt, weil das so Sachen waren zum Anfassen und Ausprobieren. Und ich fand das unglaublich spannend zu sehen, dass das, was mir in der Praxis gefehlt hat, mehr oder weniger in einem Raum zusammengesetzt war, zwischen Hilfsmitteln, assistiven Technologien und nicht elektronischen Hilfsmitteln. Aber dann auch so Fragestellungen, wo ich denke, das kann man machen, dafür kriegt man Geld. Das fand ich total spannend. Und im Vorhinein muss ich sagen, ich bin selber in der Kinder- und Jugendhilfe groß geworden und für mich war das gar nicht so vorgezeichnet, dass ich meinen Weg ins Studium finde. Das hat irgendwie in unserem, ich sage jetzt mal klassischen System oder in unserem Karriereweg, Arbeiter, Familie, Arbeiterkind gar nicht so stattgefunden. Ich habe eine Pflegeschwester gehabt im Autismus-Spektrum und wir sind quasi immer schon mit besonderen Rahmenbedingungen groß geworden. Und das, was ich jetzt als Heilerziehungspflegerin dann gelernt habe, das habe ich irgendwie als Kind schon ganz oft intuitiv gemacht. Also zu spiegeln, Unterstützte Kommunikation zu machen, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass es eben Vorhersehbarkeiten gibt oder auch Sicherheitsmomente. Und als ich dann meine Ausbildung gemacht habe, habe ich das schon ganz toll gefunden, eben durch meine eigene Erziehung oder mein eigenes Aufwachsen mit meiner Schwester schon viel mitgenommen zu haben. Und mein letztliches Arbeiten in den Arbeitsfeldern war eben so quasi ein bisschen so die Schlüsselfigur zu Kommunikationsbarrieren zu sein, zu überlegen, was kann man denn eigentlich machen, damit die Menschen eben sich verstanden fühlen, auch mitgenommen fühlen und dann auch zu gucken, wie kann man eigentlich so ein Setting oder so einen Lebensalltag auch gut gestalten, dass wir da einfach alle gut miteinander klarkommen. Und ich habe in meiner letzten Arbeitsstation habe ich eine Abteilung aufbauen dürfen mit einem Kollegen von mir für Menschen mit sogenanntem hohen Unterstützungsbedarf und komplexer Beeinträchtigung. Wir haben eine Kerzenabteilung gehabt und wir hatten das Credo, jeder ist gut, wie er ist und jeder darf das machen, was er kann und ja, was gerade so dran ist. Und mein Studium ist so ein bisschen aus einer Rebellion gestartet, weil meine damalige Abteilungsleiterin gesagt hat, also wenn du das machen willst, dann musst du studieren gehen. Und dann habe ich irgendwann gedacht, weißt du was und ich gehe studieren, genau. Und dann habe ich geguckt, was gibt es und so habe ich quasi den Weg gefunden und habe dann immer auch gedacht, Mensch, ich kann mich gut in andere Menschen reinversetzen. Ich kann gut mit Menschen mit sogenannter komplexer Beeinträchtigung und habe dann einfach geguckt, in welchen Berufszweigen kann man das dann tatsächlich gut verknüpfen. Und mir war es wichtig, meinen Ausbildungsberuf erst zu lernen und dann zu gucken, okay, was kann ich denn aufsatteln, was kann ich gut und wo möchte ich mich spezialisieren? Und das war dann letztendlich zum Glück auch die Rehabilitationspädagogik. Schweres Wort, ich sage es gerne nochmal, Rehabilitation, nein, nein, Rehapäd an der TU Dortmund, weil das hat mich tatsächlich dann am meisten überzeugt hier im Umfeld.
Michélle Möhring:
Ja, spannend, danke. Also so ein bisschen auch sehr persönlich motiviert, also aus dem Privaten heraus so ein gewisses Interesse immer schon gehabt. Cosima, wie war das bei dir vielleicht auch mit Blick darauf, dass du ja auch noch den Master gemacht hast? Also wie hat sich dein Weg so entwickelt?
Cosima Nellen:
Bei mir war es ein totales Zufallsprodukt, muss ich sagen. Ich wusste nach dem Abitur überhaupt nicht, wo ich beruflich hin möchte und hatte mich damals an, ich glaube, zwölf Unis mit vierzehn Studiengängen beworben und habe mich rein zufällig für Dortmund und Rehapädagogik entschieden. Und als der Bachelor zu Ende war, wusste ich immer noch nicht so genau, was mache ich denn jetzt eigentlich? Ich habe ganz viele neue Inhalte gelernt, ganz viele Tätigkeitsfelder und wusste nicht genau, wo ist denn da mein Platz, wo kann ich anfangen? Und dachte, ach komm, ich studiere jetzt gerade schon und mach mal einen Master, dann hast du ein bisschen mehr Zeit, um darüber nachzudenken, wo es dich beruflich hinbringen soll. Und dachte, ich könnte mir durch den Master ein bisschen mehr Zeit und Bedenkzeit und Reflexionszeit erkaufen und bin dadurch in den Master gekommen. Ich muss sagen, das war für mich die goldrichtige Entscheidung, weil ich während des Masters Einblicke hatte in das wissenschaftliche Arbeiten, was mir sehr gefallen hat und mir auch gut gelegen hat. Und dadurch habe ich meine Zukunft, meine Karriere, meinen Beruf gefunden.









