Die Fakultät auf der 54. DGPs-Tagung in Luxemburg
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Symposium: Rechenschwierigkeiten verstehen und fördern

Im Zentrum der Beteiligung stand das Symposium „Rechenschwierigkeiten verstehen und fördern aus neuen Perspektiven", kuratiert von Dr. Sarah Lamb (TU Dortmund) und Leon Skoba (Helmut-Schmidt-Universität). Anhaltende Rechenschwierigkeiten stellen ein erhebliches Risiko für die schulische Entwicklung dar. Frühzeitige Förderung setzt voraus, dass die Ursachen hinreichend geklärt sind, effiziente diagnostische Verfahren verfügbar sind und evidenzbasierte Interventionen bereitstehen. Vier Beiträge beleuchteten genau diese drei Ebenen.
Sarah Lamb, Dr. Jochen Ranger und Prof. Dr. Jörg-Tobias Kuhn zeigten anhand von Diffusionsmodellen, dass die Schwierigkeiten von Kindern mit Rechenstörung vorrangig in der Verarbeitungsgeschwindigkeit symbolisch dargestellter Mengen liegen – nicht in einem vorsichtigeren Antwortverhalten. Jil Brambrink, Prof. Dr. Olga Kunina-Habenicht und Prof. Dr. Jörg-Tobias Kuhn erweiterten diesen Blick auf das Erwachsenenalter und deuten auf ein zusätzliches domänengenerelles Inhibitionsdefizit hin, das frühere Befunde zur ANS-Defizithypothese sowie die Messung der Genauigkeit des ANS mit dem non-symbolischen Mengenvergleichsparadigma in Frage stellt.
Zwei Beiträge widmeten sich der Förderung. Leon Skoba und sein Team identifizierten anhand von Spieldaten des Serious Games „Eckis Würfelkosmos" aufgabenspezifische schwierigkeitsgenerierende Merkmale – etwa den Zehnerübergang bei den Grundrechenarten –, aus denen sich individuelle Förderbedarfe ableiten lassen. Den Abschluss bildete das Projekt Math Valley von Christian Marie-Johanna Kißler, Marius Grießhammer, Maic Masuch und Jörg-Tobias Kuhn: eine VR-Lernumgebung, die auf dem Embodied-Learning-Ansatz basiert und mathematische Kompetenzen über Ganzkörperbewegungen fördert. Die Evaluation zeigte, dass sich die Rechenfertigkeiten der geförderten Kinder verbessert haben und sie weniger negative Gefühle gegenüber Mathematik berichteten.
Motivation, Selbstregulation und Employability

Dr. Steffen Wild präsentierte zwei Beiträge, die den Blick auf das universitäre Lernen und die Arbeitswelt richteten. In seinem Vortrag – gemeinsam mit Jakob Schwerter (Eberhard Karls Universität Tübingen), Olga Kunina-Habenicht (TU Dortmund) und Luise von Keyserlingk (Eberhard Karls Universität Tübingen) – untersuchte er die kausale Wirkungsrichtung zwischen motivationalen Kosten und Lernstrategien in vier Lehrveranstaltungen über ein Semester hinweg. Die Ergebnisse deuten auf eine dynamische Wechselbeziehung hin: Zum Semesterende hin scheinen die Studierenden ihren Lernprozess systematischer zu strukturieren, um externen Belastungen wirksam zu begegnen.
In seinem Poster – gemeinsam mit Ernst Deuer (DHBW Ravensburg) und Alexander Brodsky (Universität Konstanz) – wandte sich Wild der Employability kaufmännischer Auszubildender im ersten Lehrjahr zu. Die Befunde legen nahe, dass die Art der Arbeitsaufgaben in der Praxisphase (Autonomie, Bedeutsamkeit, Komplexität) über die motivationale Komponente Need for Cognition die Agilität der Auszubildenden beeinflusst. Die Gestaltung der Praxisphase ist damit ein zentraler Hebel für die berufliche Entwicklung junger Menschen.
Sozial- und Lernverhalten: Profile, Persistenz und Selbstkonzept
PD Dr. Annette Lohbeck und prof.Dr. Jörg-Tobias Kuhn stellten eine latente Profilanalyse zum Sozial- und Lernverhalten von Schüler:innen vor. Dabei konnten fünf Profile identifiziert werden: ein adaptives Profil, ein lernauffälliges Profil, ein sozial-inkompetentes Profil, ein Risikoprofil und ein Hochrisikoprofil. Die meisten Schüler ließen sich dem adaptiven oder dem lernauffälligen Profil zuordnen. Jungen sowie Schüler mit schlechteren Noten in Deutsch und Mathematik waren jedoch häufiger in den Risikoprofilen vertreten. Auffällig war zudem, dass Grundschulkinder häufiger den beiden Risikoprofilen als dem lernauffälligen Profil angehörten, während Schüler der Sekundarstufe häufiger dem lernauffälligen als dem adaptiven Profil zugeordnet wurden. Die Ergebnisse liefern eine Grundlage für profilspezifische Interventionen, insbesondere für Jungen und jüngere Schüler:innen.
Jesper Nordmann, Kirsten Schuchardt (Uni Hildesheim) und Janin Brandenburg untersuchten die Persistenz von Lernschwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen über einen Zeitraum von der Grundschule bis ins frühe Erwachsenenalter. Der Vergleich eines klassischen Cutoff-Kriteriums mit dem Reliable Change Index zeigte, dass die zusätzliche Verwendung des RCI individuelle Veränderungen erfasst, die ein starrer Schwellenwert übersehen würde.
Sarah Schuchardt, Janin Brandenburg und prof. Dr. Jan Kuhl differenzierten das schulische Selbstkonzept in der Grundschule erstmals zwischen fächerspezifischen Ausprägungen (Lesen, Rechnen) und verschiedenen Vergleichsprozessen. Ein zentrales Ergebnis: Im Fach Mathematik hängen Selbstkonzept und Leistung bereits ab der ersten Klasse zusammen, im Lesen erst ab der dritten. Geschlechterunterschiede traten vor allem bei jüngeren Kindern im Mathematikselbstkonzept auf.



Inklusion am Arbeitsmarkt
Den Bogen zur Arbeitswelt schloss das Poster von Sarah Lamb, Sarah Schulze, Bastian Pelka, Jörg-Tobias Kuhn und Jana York. Die 2022 eingeführten Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgebende (EAA) sollen Unternehmen durch das komplexe Fördersystem der beruflichen Rehabilitation und Teilhabe lotsen. Dazu müssen die EAA entsprechend vernetzt sein. Die Analyse der Netzwerkstrukturen der EAA zeigte: Sie sind vorrangig mit Akteuren aus dem Rehabilitationssystem vernetzt, während Kontakte zu wirtschaftlichen Akteuren seltener bestehen. Veranstaltungen für betriebliche Akteure erwiesen sich als wirksamer Zugang, um Arbeitgebende zu erreichen.
Fazit
Die thematische Vielfalt der Beiträge – von der kognitiven Modellierung über digitale Lernumgebungen bis hin zu arbeitsmarktpolitischen Netzwerkanalysen – verdeutlicht die querschnittliche, nationale wie internationale Relevanz der inklusionsbezogenen Forschung an der Fakultät 13. Die enge Verzahnung von Grundlagenforschung, Diagnostik und Intervention, die im Symposium zum Tragen kam, zieht sich durch alle Beiträge: Sie verbinden schulische und berufliche Kontexte, individuelle kognitive Prozesse und systemische Rahmenbedingungen. Die Kooperationen mit Partneruniversitäten zeigen, dass diese Forschung im Verbund geleistet wird – und dass die DGPs-Tagung ein zentraler Ort ist, um diese Brücken sichtbar zu machen.







