Große Beteiligung der Fakultät auf der “Mensch und Computer 2026”
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Max Pascher (Fachgebiet Inklusive Mensch-Roboter Interaktion, ihri) organisierte die Konferenz als einer der drei General Chairs gemeinsam mit Stefan Schneegaß und Michael Prilla (beide UDE). Die Forschenden und Studierenden unserer Fakultät stellten in insgesamt drei Workshops, zwei Poster-Präsentationen und einer Student Research Competition aktuelle Forschungsergebnisse vor.
Der von Susanne Dirks moderierte Workshop „Between Empowerment and Exclusion: Socio-technical Approaches to Modeling, Designing and Evaluating Inclusive Interactive Systems“ entstand aus einer Zusammenarbeit von Forschungsgruppen aus den Bereichen Rehabilitationstechnologie, Rehabilitationssoziologie, ihri und AIT der Fakultät Rehabilitationswissenschaften an der TU Dortmund sowie der Forschungsgruppe Human-Machine Interaction and Accessibility am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Hochschule OWL. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie inklusive interaktive Systeme so modelliert, gestaltet und evaluiert werden können, dass sie Teilhabe fördern und Ausschlüsse vermeiden. Bastian Pelka moderierte innerhalb des Workshops eine Diskussionsrunde zum Thema “Kontext”. Dabei wurde deutlich, dass KI dann besonders hilfreich ist, wenn sie den Kontext der Nutzenden versteht - also Variablen wie Behinderung, soziale Kontakte oder Ort der Nutzung. Gleichzeitig erzeugen genau diese Daten Gefahren wie Exklusion, Privatheit oder Bias. Susanne Dirks und Mario Heinz-Jakobs moderierten eine Diskussionsrunde zum Thema „KI-Methoden & Adaptivität“. Die Diskussion zeigte, welche Potenziale, Herausforderungen und Risiken der Einsatz von KI-Methoden in interaktiven Systemen mit sich bringt – von technischen Möglichkeiten über Sicherheitsaspekte bis hin zum notwendigen Training der Anwendenden für eine erfolgreiche Nutzung. Liane Bächler moderierte eine Diskussionsrunde zum Thema „Evaluation Frameworks for Participation“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich tatsächliche Partizipation von Menschen mit Beeinträchtigungen erfassen und bewerten lässt – über die reine Dokumentation ihrer Teilnahme hinaus. Diskutiert wurde insbesondere, wie Evaluationsansätze sichtbar machen können, ob Teilnehmende tatsächlich Einfluss auf Prozesse und Entscheidungen haben oder lediglich als Informationsgebende einbezogen werden. Frauke Mörike moderierte eine Diskussionsrunde zum Thema “Inklusive Forschungsmethoden”, in der es um implizite Normen und Machtverhältnisse in der Forschung ging. Dabei wurde deutlich, dass wissenschaftliche Standards wie Zitierfähigkeit und Ressourceneffizienz das Innovationspotenzial neuer, inklusiver Methoden häufig einschränken – ein zentrales Anliegen der Runde war daher, Wege zu finden, um Erkenntnisse jenseits etablierter Denkrahmen nutzbar zu machen.
Im Workshop „Neurodiversity: Socio-Technical Life Transitions as Decisive Momentum for Inclusion and Exclusion Processes“ brachten Valerie Tan, Jana-Sophie Effert, Frauke Mörike und weitere Beteiligte zahlreiche Forschende aus dem In- und Ausland sowie Praktiker*innen zusammen. Diskutiert wurde, wie Technologien neurodivergente Menschen insbesondere in vulnerablen Übergangsphasen ihres Lebens, wie zum Beispiel beim Einstieg in den Job, besser unterstützen können. Solche Übergänge können entscheidend dafür sein, ob Prozesse der gesellschaftlichen Inklusion oder Exklusion verstärkt werden.
Max Pascher organisierte gemeinsam mit Jens Gerken, Giuseppe Sanseverino (Technische Universität Chemnitz) und weiteren Beteiligten den Workshop „Wearable Teleoperation for Urban Search and Rescue: Enhancing First Responder Capabilities through Natural Human-Robot Interaction“. Der Workshop untersuchte, wie tragbare Technologien und natürliche Mensch-Roboter-Interaktion die Teleoperation im urbanen Such- und Rettungseinsatz verbessern können. Durch praktische Prototyping-Phasen und Diskussionen sollten konkrete Gestaltungsprinzipien entwickelt sowie technische Herausforderungen für den Einsatz solcher Systeme in sicherheitskritischen Situationen adressiert werden.
Bilder-Galerie
Autonomie und Kompetenz als Schlüsselfaktoren für KI-Adoption
Das Team von ihri präsentierte das Short Paper „Under Pressure: How Autonomy and Competence Shape AI Adoption in Citizen Broadcasting“ als Poster. Auf Grundlage der Selbstbestimmungstheorie untersucht die Arbeit, wie das Bedürfnis nach kreativer Kontrolle und dem Ausbau eigener Kompetenzen die Entscheidung beeinflusst, KI-Werkzeuge im Bürgerjournalismus einzusetzen.
Gerade in Arbeitsumgebungen mit hohem Zeit- und Handlungsdruck scheint es entscheidend zu sein, ob Medienschaffende KI als Unterstützung ihrer eigenen Fähigkeiten und Autonomie wahrnehmen oder als Einschränkung ihrer kreativen Kontrolle.

Gegen systemische digitale Ausbeutung
Im Doctoral Consortium stellte Kirill Kronhardt sein Promotionsvorhaben als Poster vor. Im Zentrum steht die Frage, wie digitale Gefahren – etwa manipulative Cookie-Banner oder algorithmisches Profiling – Überzeugungsmechanismen gegen Nutzer*innen einsetzen und wie man diese schützen kann.
Die Arbeit beschreibt, wie solche Formen digitaler Ausbeutung eine Knowledge-Behavior Gap erzeugen: Selbst wenn Menschen über manipulative Praktiken informiert sind, gelingt es ihnen nicht immer, dieses Wissen in entsprechendes Handeln zu übersetzen. Als möglichen Ansatz schlägt Kronhardt „Counteractive Persuasive Technologies“ vor. Dabei handelt es sich um defensive Technologien, die selbst Überzeugungsmechanismen benutzen, um diese Lücke schließen, und die Autonomie von Nutzer*innen stärken sollen.
DOI: https://doi.org/10.18420/muc2026-mci-dc-226

Medienkompetenz und KI in Schulen
Auch im Format „Student Research Competition“ waren ihri-Studierende vertreten: Lara Bukmakowski und Beria Ersan, die von Kirill Konhardt betreut wurden, präsentierten ihre Arbeit zur KI-Browsererweiterung KonCheck-School. Die Untersuchung des Tools im schulischen Kontext machte eine deutliche Wahrnehmungslücke sichtbar.
Während Lehrkräfte die Medienkompetenz junger Menschen häufig vor allem aus einer Defizitperspektive betrachten, zeigten die befragten Schüler*innen selbst eine hohe reflektierte Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien und KI. Gleichzeitig wurde ein Third-Person Effect deutlich: Die Jugendlichen schätzten KI vor allem als nützlich für andere ein, während sie den eigenen Nutzen zurückhaltender bewerteten.
Die zentrale Schlussfolgerung lautet: Die Entwicklung von KI-Anwendungen allein reicht nicht aus. Nachhaltige Medienkompetenz benötigt eine tiefgreifende curriculare Verankerung, didaktische Begleitung und den Abbau technischer Zugangsbarrieren.
DOI: https://doi.org/10.18420/muc2026-mci-src-274





















